Protokoll der Jahresversammlung 2003
der deutschen Elementarteilchenphysik
am 22. November 2003 im Physikzentrum Bad Honnef


Beginn der Versammlung: 8:30 Uhr

Teilnehmer: ca. 90

Vertreter des BMBF: H.-F. Wagner, J. Richter

Vertreter des Projektträgers DESY-HS: T. Berghöfer, H. Bojahr, K. Ehret

Gast: R. Maschuw (GridKa)


Eröffnung der Versammlung durch den Vorsitzenden des Komitees für Elementarteilchenphysik (KET), R. Rückl

Die Versammlung genehmigt folgende Tagesordnung:

1. KET-Angelegenheiten
2. Berichte von DESY
3. Berichte von CERN
4. Berichte weiterer HEP-Gruppen
5. Verbundforschung
6. Kurzberichte
7. Verschiedenes


Sitzungsleitung: K. Meier


TOP 1: KET-Angelegenheiten (R. Rückl)

a) Ergebnis der KET-Neuwahl 2003

Die Amtszeit der 8 gewählten Mitglieder des seit 2000 amtierenden Komitees endete mit der konstituierenden Sitzung des neuen Komitees am 7.11.2003 in Mainz. Herr Rückl dankt den ausscheidenen Mitgliedern des KET, C. Gößling, N. Wermes, R. Settles, F. Eisele und G. Wolf, für ihren großen Einsatz und die gute Zusammenarbeit. In seinem Bericht über den Ausgang der Neuwahl für die Amtszeit 2003-2006 hebt Herr Rückl die gute Wahlbeteilung hervor: von 888 Wahlberechtigten (Wissenschaftler aus dem Ausland, die an deutschen Instituten angestellt sind, eingeschlossen) haben 492 abgestimmt. Die neu-, bzw. wiedergewählten Mitglieder des KET und ihre Ersatzleute sind:

Wahlkreis 1: Th. Lohse HU Berlin P. Schleper Uni Hamburg
Wahlkreis 2: P. Mättig Uni Wuppertal P. Buchholz Uni Siegen
Wahlkreis 3: L. Köpke Uni Mainz Th. Hebbeker RWTH Aachen
Wahlkreis 4: B. Spaan TU Dresden H. Oberlack MPI München
Wahlkreis 5: Th. Müller Uni Karlsruhe G. Quast Uni Karlsruhe
Wahlkreis 6: R. Voss CERN Genf E. Radermacher CERN Genf
Wahlkreis 7: T. Behnke DESY Hamburg M. Klein DESY Zeuthen
Wahlkreis 8:R. Rückl Uni Würzburg J. Kühn Uni Karlsruhe

Auf der konstituierenden Sitzung am 7.11.2003 wurde R. Rückl als Vorsitzender bestätigt, zum Stellvertreter wurde B. Spaan gewählt. Herr Rückl dankt den Mitarbeitern von DESY-HS für ihre große Hilfe bei der Durchführung der Briefwahl und der Auswertung der Stimmzettel.

 
b) Bericht über die Arbeit des KET in 2002/03

Während des vergangenen Jahres fanden drei Sitzungen des KET statt, außerdem wurden drei Telefonkonferenzen durchgeführt. Es wurden Stellungnahmen erarbeitet

  • zur Entscheidung des BMBF über die Förderung von Großgeräten (Brief an die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Frau E. Bulmahn, vom 19.02.2003) und
  • zum HEP-Programm des DESY in 2005-2009 (Brief an den Vorsitzenden des DESY-Direktoriums, Prof. A. Wagner, vom 18.11.2003).
Weiter wurden zu einer Reihe von Personalfragen Empfehlungen an das BMBF gerichtet:
  • Berufung eines neuen wissenschaftlichen Mitglieds der deutschen Delegation im CERN Council
  • Kandidatenfindung für den Posten des CERN-Forschungsdirektors
  • Auswahl von Gutachtern für die Programme Elementarteilchenphysik und Astroteilchenphysik des Forschungsbereiches Struktur der Materie der HGF.
Die KET-Broschüre Teilchenphysik in Deutschland: Status und Perspektiven, die vor einem Jahr der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, hat sehr positive Resonanz gefunden. Inzwischen ist auch eine englischsprachige Fassung erstellt und weltweit an HEP-Institute, wissenschaftspolitische Organisationen sowie PR-Einrichtungen verteilt worden. Bei Bedarf können weitere Kopien der deutschen Fassung bei
  • Maren Stein, DESY Bibliothek, sowie der englischen Fassung bei
  • Klaus Ehret, DESY-HS, angefordert werden. Eine CD-Version ist bei
  • A. Stahl, DESY Zeuthen,
erhältlich. Im Internet ist die Broschüre unter http://www.ketweb.de (KET-Studie) zu finden.

Anfang Oktober 2003 hat das KET zwei Veranstaltungen in Hamburg organisiert:

  • Workshop Neutrinophysik am 6.-7.10.2003 (zusammen mit dem Gutachterausschuß des BMBF für Hochenergiephysik)
  • Vorstellung und Diskussion des HEP-Programms bei DESY in 2005-2009 am 7.10.2003 (siehe auch TOP 2)
Die Progamme und Vorträge dieser Veranstaltungen findet man unter http://www.ketweb.de (Veranstaltungen).
 
c) Vergabe von Mandaten

Während des letzten Jahres hat das KET folgende Mandate vergeben:

  • Koordinierung der Bewerbungen aus Deutschland um CERN-Fellowships:
    K. Jakobs, Uni Freiburg, Experiment
    A. Buras, TU München, Theorie
Die Amtszeit ist gekoppelt an die Amtszeit des wissenschaftlichen Mitglieds der deutschen Delegation im CERN Council (derzeit G. Herten). Herr Rückl dankt K. Kleinknecht, der die CERN-Bewerbungen viele Jahre lang koordiniert hat.
  • deutscher Vertreter im R-ECFA: K. Meier, Uni Heidelberg, für weitere 3 Jahre
  • deutscher Vertreter im ACCU (Advisory Committee of CERN Users): H. Kroha, MPI-WHI München, für weitere 2 Jahre
  • deutscher Vertreter im IHEPCCC (International HEP Computing Coordination Committee): M. Kasemann, DESY, für 3 Jahre
Das IHEPCCC ist ein unter dem Dach von ICFA neugegründetes internationales Gremium, das das europäische Komitee HEPCCC ablösen soll. Die Statuten von IHEPCCC können unter http://www.ketweb.de (Mandate) eingesehen werden.
 
d) Satzungsänderungen

Herr Rückl legt den Vorschlag des alten KET für eine Satzungsänderung zur Beschlußfassung vor, die das Ausscheiden von gewählten Mitgliedern und Ersatzmitgliedern des KET bei Erreichen des Ruhestandes, sowie das Nachrücken und gegebenfalls Nachwahlen eindeutig regeln soll. Paragraph 3, letzter Absatz, der Leitlinien soll durch folgenden Absatz ersetzt werden:

"Tritt während einer Wahlperiode ein Wahlkreisvertreter in den Ruhestand oder scheidet aus anderen Gründen aus, rückt das Ersatzmitglied nach. Für den betroffenen Wahlkreis wird umgehend ein neues Ersatzmitglied gewählt. Tritt während einer Wahlperiode ein Ersatzmitglied in den Ruhestand oder scheidet aus anderen Gründen aus, oder scheiden ein gewähltes Mitglied und sein Ersatzmitglied gleichzeitig aus, sind dafür ebenfalls umgehend Nachfolger zu wählen. Nachwahlen werden nach dem gleichen Verfahren wie Neuwahlen durchgeführt, jedoch wählen nur die Wahlberechtigten des betroffenen Wahlkreises. Jeder Wahlberechtigte hat eine Stimme. Die Aufgaben des Vorsitzenden werden vom Wahlkreisvertreter, bzw. vom ausscheidenden Wahlkreisvertreter, wahrgenommen. Die gleichen Regelungen werden angewandt, wenn ein gewählter Vertreter oder ein Ersatzmitglied eine Funktion übernehmen, durch die sie zu ex-officio-Mitgliedern des KET werden."

Der Vorschlag wurde per Akklamation von der Versammlung angenommen.

Als Vertreter des KET im sich neu konstituierenden KAT (Komitee für Astroteilchenphysik) werden T. Lohse und L. Köpke benannt. Dieses Mandat gilt vorbehaltlich eines entsprechenden KAT-Beschlusses. Da die Astroteilchenphysik im KET durch diese zwei gewählten Mitglieder bereits angemessen vertreten ist, wird von einer Erweiterung des KET um einen ex-officio-Sitz für einen Vertreter des KAT derzeit Abstand genommen.

Als Vertreter der YPP (Young Particle Physicists) erklärt Herr Bechtle das Interesse an einer Verbesserung der Zusammenarbeit mit dem KET. Dieser Wunsch wird sehr positiv aufgenommen. Es wird beschlossen, daß YPP aus dem Kreis der Doktoranden 1-2 Vertreter benennt, die zu KET-Sitzungen eingeladen werden, wenn Themen mit besonderer Relevanz für Doktoranden behandelt werden.

Weitere Informationen über KET und die KET-Aktivitäten, sowie Sitzungsprotokolle, Stellungnahmen etc. kann man unter http://www.ketweb.de finden.

TOP 2: Berichte von DESY

a) HERA (R. Klanner)

Herr Klanner berichtet über den Status des HERA Beschleunigers am DESY. Nach den großen Umbaumaßnahmen im Jahre 2000-2001 war der Anlauf des Beschleunigers im Jahre 2002 mit erheblichen Problemen verbunden. Darüber wurde bereits in der letzten Jahresversammlung berichtet. Die beiden Experimente H1 und Zeus litten unter hohen Untergründen. In umfangreichen Studien konnten die Quellen der Untergründe weitgehend festgestellt werden. Im Jahre 2003 gab es deshalb eine längere Betriebsunterbrechung, in der Modifikationen an der Maschine im Bereich der Experimente vorgenommen wurden. Die Abschirmung gegen Synchrotronstrahlung wurde durch geänderte Kollimatorsysteme verbessert. Zusätzliche Vakuumpumpen wurden in der Nähe des Wechselwirkungspunktes eingebaut. Seit dem Wiederanlaufen des Betriebes konnte in der Tat gezeigt werden, daß die Maßnahmen zu einer Reduktion der Untergründe in den Experimenten führen. Seit August wird HERA langsam wieder angefahren.

Die Experimente sind durchgängig in einem exzellenten Zustand und warten auf den Luminositätsbetrieb bei HERA. Größere Umbauten sind nur noch für das HERMES-Experiment vorgesehen, welches im Sommer 2004 plant, einen neuen Recoil Detektor einzubauen. Dieser Detektor wird verwendet, um exklusive Endzustände zu identifizieren, was dann die Messung der verallgemeinerten Strukturfunktionen ermöglicht.

Aufgrund der verschiedenen Probleme konnte HERA bisher nicht in nennenswertem Umfang Luminosität liefern. Eine realistische Abschätzung des Betriebes in den nächsten Jahren zeigt, daß es sehr schwer werden wird, die angestrebten 1fb-1 zu erreichen. Es scheint realistisch, daß 0.7 fb-1 erreicht werden.

Der HERA-Betrieb wird Ende 2006 oder Mitte 2007 eingestellt werden. Der genaue Zeitpunkt wird bis spätestens Ende 2004 entschieden werden, wenn mehr Informationen über HERA und die erreichbare Luminosität verfügbar sind.

Für weitere Details siehe http://www.desy.de/f/teilchenphysik/talks/rk-ket-031122-hera.pdf.

 
b) TESLA-Projekt (A. Wagner)

Herr Wagner berichtet über Linear Collider Aktivitäten und den Status von TESLA. Die TESLA-Kollaboration, die sich mit der supraleitenden Beschleunigertechnologie und der Entwicklung des Beschleunigers beschäftigt, wächst weiter. Kürzlich sind weitere neue Institute der Kollaboration beigetreten.

Im Oktober hat DESY den Standort des mit TESLA-Technologie geplanten XFEL bekannt gegeben. Der XFEL wird sich vom Hamburger DESY-Standort aus in westlicher Richtung auf schleswig-hosteinisches Gebiet erstrecken. Das Laborgebäude wird in der Nähe von Schenefeld erstellt werden. Die Anbindung an das DESY-Gelände hat den Vorteil, daß die DESY-Infrastruktur genutzt werden kann. Die Trassenführung des Linearbeschleunigers ist hiervon nicht betroffen. Eine Trennung der beiden Standorte hat den Vorteil, daß damit eine Beeinträchtigung des XFEL-Betriebes bei einem eventuellen späteren Bau von TESLA in Hamburg vermieden wird.

Bei der Entwicklung der kalten Beschleunigertechnologie hat es auch in den letzen Monaten erhebliche Fortschritte gegeben. Mehrere elektropolierte Kavitäten haben in ausgedehnten Tests unter Betriebsbedingungen, wie sie im Beschleuniger herrschen, eine Beschleunigungsspannung von mehr als 35 MV/m erreicht. Eine erste Kavität wurde in Hamburg elektropoliert. Sie erreichte nach einem vereinfachtem Konditionierungsverfahren eine Beschleunigungsspannung von nahezu 40 MV/m. Aufgrund von Finanzierungsproblemen wird es aber nicht möglich sein, diese Kavitäten mit Strahl zu testen, bevor es Ende 2004 zu einer Technologieentscheidung kommen wird. Herr Wagner betont, daß die kalte Technologie hervorragend positioniert sei, um in den Technologieentscheid zu gehen.

Eine wichtige Rolle hierbei spielt auch der sehr große Synergieeffekt, der zwischen den XFEL-Entwicklungen und den LC-Entwicklungen besteht. Für den XFEL am DESY ist eine detaillierte Liste von Arbeitspaketen ausgearbeitet worden. Davon sind etwa 90% auch für den Linear Collider relevant.

Am DESY schreitet der Ausbau der TTF I Anlage zu TTF II fort. Die Installationsarbeiten sollen Anfang 2004 beendet sein, eine Inbetriebnahme ist für das Ende 2004 vorgesehen.

Auf der politischen Bühne hat es in den letzten Monaten viele Aktivitäten gegeben. Vor wenigen Tagen haben die USA eine Prioritätenliste von Großprojekten für die nächsten zwanzig Jahre vorgestellt. Die Liste, die von mehr als 50 Projekten aus allen Bereichen der Naturwissenschaften ausging, beinhaltet 28 Projekte, davon drei aus der Teilchenphysik. Unter den mittelfristigen Projekten nimmt der Linear Collider die Spitzenstellung ein.

In der Woche vor Bad Honnef wurde die Liste der Mitglieder des Panels bekannt gegeben, das eine Empfehlung zur Technologie des Linear Colliders bis spätestens Ende 2004 aussprechen soll. Zwölf Physiker sind in einem international koordiniertem Verfahren ausgewählt worden. Ein erstes Treffen der Gruppe ist für Januar 2004 vorgesehen.

Nach der Technologieentscheidung wird eine internationale Global Linear Collider Design Group einen TDR für die gewählte Technologie ausarbeiten. Im Moment laufen die Vorarbeiten an, um diese Gruppe in den verschiedenen Regionen aufzubauen.

Für weitere Details siehe http://desyntwww.desy.de/~wagnera/aw-ket-031122-tesla.pdf.

 
c) HGF-Evaluation von DESY

c1) DESY-Planung 2005-2009 (A. Wagner)

Innerhalb der HGF werden die verschiedenen Forschungsbereiche alle fünf Jahre einer Evaluation unterzogen. DESY wird das erste Mal im Jahre 2004 evaluiert werden. Anders als in der Vergangenheit werden die Budgets nicht mehr zwischen dem BMBF und den HGF-Zentren verhandelt, sondern im Rahmen von Programmen und auf der Basis einer externen Begutachtung eingeworben. Dabei orientiert sich die Begutachtung an den forschungspolitischen Vorgaben, die von der Regierung formuliert wurden. Die Zentren definieren das Grundprogramm. Mittel für eine Erweiterungen des Programms können über den Mechanismus der Überzeichnungen eingeworben werden. Danach kann jedes Zentrum bis zu 10% zusätzliche Mittel über das Grundprogramm hinaus beantragen. Diese Überzeichnungsmittel werden im Wettbewerb zwischen den HGF-Zentren ermittelt.

DESY hat sein Programm für die nächsten fünf Jahre in den letzten Monaten in einem mehrstufigem Prozeß ermittelt. Eine Strategiegruppe mit Mitgliedern von DESY und von auswärtigen Instituten, die am DESY forschen, hat einen Vorschlag ausgearbeitet. Dieser Vorschlag wurde dann intensiv intern am DESY diskutiert. Das KET hat im Oktober zu einer Veranstaltung an das DESY eingeladen, in der dieses Programm mit den deutschen Universitäten diskutiert wurde. Parallel dazu hat der wissenschaftliche Rat des DESY als das externe wissenschaftliche Begutachtungsgremium eine Kommission eingesetzt, die ebenfalls das Programm des DESY begutachtet hat.

Das DESY-Programm sieht folgende Elemente vor:

  • Höchste Priorität hat die Fortführung des HERA II Programms und sein erfolgreicher Abschluß.
  • Die Entwicklung und die Vorarbeiten für einen Linearbeschleuniger sollen fortgeführt werden.
  • Das Theorieprogramm soll fortgeführt werden.
  • Das Astroteilchenphysikprogramm soll fortgeführt werden.
  • Um die Zeit zwischen dem Ende von HERA II und dem Anlaufen eines Linear Colliders zu überbrücken, wird die Beteiligung an einem externen Experiment ins Auge gefaßt. Eine Entscheidung darüber wird so rechtzeitig gefällt, daß mit dem Freiwerden von Ressourcen nach dem Ende von HERA die Arbeit begonnen werden kann.
Das Programm von DESY wird der HGF im Dezember vorgelegt werden. Ende Januar 2004 findet dann an zwei Tagen die Evaluation bei DESY in Hamburg statt.

Für weitere Details siehe http://desyntwww.desy.de/~wagnera/aw-ket-031122-desy.pdf.

 
c2) EWR-Evaluation (S. Bethke)

Der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Rates (EWR) des DESY, Herr Bethke, stellt die Ergebnisse der Begutachtung durch den EWR vor. Der genaue Text kann unter http://www.desy.de/ewr/0311/open/open.htm eingesehen werden. Der Bericht der Begutachtungskommission wurde im Wissenschaftlichen Rat diskutiert. Der EWR unterstützt die Pläne des DESY. Er bemerkt allerdings, daß die vorgesehenen Ressourcen sehr knapp bemessen sind. Besonders betont der EWR, daß im Falle einer wesentlichen Verzögerung des Linear Colliders ein gefährliches Loch in der Hochenergiephysik am DESY entstehen könnte, und unterstreicht aus diesem Grunde besonders die Wichtigkeit, ein tragfähiges externes Programm zu etablieren.

 
c3) Stellungnahme des KET (R. Rückl)

Der Vorsitzende des KET, Herr Rückl, stellt abschließend die Stellungsnahme des KET zum DESY-Programm vor, in die wesentlich auch die Ergebnisse der Veranstaltung des KET am DESY im Oktober eingeflossen sind. Die Schlußfolgerungen der Empfehlung decken sich mit denen des EWR. Der Text der Stellungnahme kann unter http://www.ketweb.de (Stellungnahmen) eingesehen werden.

In der nachfolgenden Diskussion wurde besonders die Rolle hinterfragt, die DESY beim Linear Collider spielen kann und will, sollte die kalte Technologie nicht ausgewählt werden. Herr Wagner betont, daß DESY eine Rolle beim Linear Collider spielen will und wird, unabhängig davon, welche Technologie gewählt wird. Eine genaue Definition der Rolle der verschiedenen beteiligten Labore ist aber erst nach der Technologieentscheidung möglich. Kurz angesprochen wurde auch die Frage des Standortes eines Linear Colliders. Nachdem Deutschland im Frühjahr 2003 keinen Standort vorgeschlagen hat, ist dieser Punkt im Moment nicht aktuell. Wichtig ist es, zunächst einen international abgestimmten Entwurf der Maschine in der Ende 2004 gewählten Technologie zu erstellen, erst dann sollte man wieder über einen Standort reden.


Sitzungsleitung: R.-D. Heuer


TOP 3: Berichte von CERN

a) LHC Maschine (R. Schmidt)

Nach einem Überblick über Eigenschaften der Maschine wurden Beispiele für den technischen Fortschritt gezeigt:

  • Vorbeschleuniger:
    LHC-Betrieb im SPS und Extraktion funktionieren seit Sommer 2003.
  • Magnete:
    Produktion der Dipolmagnete (Gesamtzahl 1232) erfolgt inzwischen mit einer Rate, die etwa bei der Sollrate liegt; 52 von 53 Dipole haben Felder von 8,33 Tesla nach maximal 5 Zusammenbrüchen (Quenches) erreicht. Durch die Korrektur des Zeitplans und durch Verbesserungen bei der Fabrikation liegt die Produktion der Sextupolmagnete wieder im Zeitplan.
  • Integration und Installation:
    Zur Zeit wird die Kryolinie im LHC-Tunnel installiert. Von 2004 bis 2007 wird die sektorweise Inbetriebnahme der Systeme erfolgen. Der tägliche Fortschritt der Konstruktion läßt sich auch von der Webseite http://lhc-new-homepage.web.cern.ch/lhc-new-homepage/ DashBoard/index.asp ablesen.
Für weitere Details siehe http://rudi.home.cern.ch/rudi/ (KET 2003).
 
b) LHC-Detektoren, Umstrukturierung der CERN-Divisionen (D. Schlatter)

Im ersten Teil des Berichts referiert Herr Schlatter über den Status der LHC-Detektoren. Dabei wird auch auf die technischen Probleme beim Bau der Detektoren hingewiesen. Offensichtlich ist, daß Lieferschwierigkeiten und Qualitätsmängel seitens der Industrie die Hauptursache für Verzögerungen und Kostensteigerungen sind. Weiterhin gibt es geringere Verzögerungen bei der Fertigstellung der CMS-Halle aufgrund geologischer Probleme. Zur Zeit liegen die Detektorkonstruktionen noch im Zeitplan, haben aber keine Zeitreserven. Die fehlenden finanziellen Mittel werden durch Stageing, insbesondere bei DAQ und Detektorkomponenten, die erst bei hohen Luminositäten relevant sind, aufgefangen. Weiterhin sind alle vier LHC-Experimente auf den Beginn der Datennahme in 2007 eingerichtet.

Im zweiten Teil stellt Herr Schlatter das neue Organigramm des CERN vor, das der neue Generaldirektor, Robert Aymar, entworfen hat. Demzufolge weist die neue Struktur des CERN ein Direktorat, ein DG-Büro, ein Projektmanagement und verschiedene Departments auf. Das neue Physik-Department umfaßt die ehemaligen Divisionen EP und TH.

 
c) CERN Council, IUPAP (G. Herten)

Folgende Themen wurden, bzw. werden im CERN-Council diskutiert: Wahl des Director General, das neue CERN-Management (siehe oben), Staff, die zukünftige Rolle des Council, Linear Collider, die 50-Jahrfeier des CERN. Hierfür gibt es ein 15-köpfiges Komitee unter der Leitung von Hans Hoffmann (CERN), das Vorbereitungen für die Feierlichkeiten am CERN vom 16.-19.10.2004 treffen soll. Höhepunkte sind u.a. die Einweihung des gestifteten "Globe of Innovation" und der VIP-Tag am 19.10.2004. Die 50-Jahrfeier soll durch Parallelveranstaltungen in den Teilnehmerstaaten begleitet werden. Möglichkeiten, die sich dafür in Deutschland bieten, wurden am Diskussionsabend, der der Jahresversammlung üblicherweise vorangeht, eingehend erörtert. Die Ergebnisse dieser Diskussion sind in einem Schreiben an das BMBF zusammengefaßt, das unter http://www.ketweb.de (Sonstiges) eingesehen werden kann. Die Aktivitäten in Deutschland werden durch ein kleines Komitee koordiniert, dem C. Gößling, T. Hebbeker, G. Herten, M. Kobel, R. Nisius, G. Quast und T. Trefzger angehören.

IUPAP-C11 ist ein Unterkomitee der International Union of Pure and Applied Physics zur Förderung des Informationsaustauschs von Teilchenphysikern (Vorsitz: Vera Lüth (SLAC), neues deutsches Mitglied: G. Herten, Ansprechpartner in Deutschland: D. Wegener). Dieses Komitee entscheidet u.a. über die Austragungsorte der ICHEP und LP Konferenzen. Für die nächsten Jahre sind dies ICHEP04 Peking, LP05 Uppsala, ICHEP06 Moskau, LP07 Korea. Behandelt werden auch die Visa-Probleme ausländischer Wissenschaftler in den USA.

Für weitere Details siehe http://hpfrs6.physik.uni-freiburg.de/~herten/GH/CernCouncil-IUPAP-0.pdf

 
d) Grid (G. Quast)

Seit der Lancierung des Deutschen Zentrums GridKa am Forschungszentrum Karlsruhe im Dezember 2001 erfolgte ein kontinuierlicher Aufbau des Betriebs, der mit Datentransfer, Datenauswertung, Monte-Carlo-Produktion usw. sehr gut läuft. Bis zum Herbst 2003 waren ca. 460 Prozessoren (entsprechend 32,5 kSi95) und 110 TB Plattenspeicher verfügbar. Ein Zentrum für Nutzerunterstützung wurde eingerichtet. Derzeitige Nutzer von GridKa sind die vier LHC-Experimente sowie CDF, D0, Compass und BaBar, deren Anforderungen im Berichtszeitraum realisiert werden konnten.

  • Hauptnutzung durch Nicht-LHC-Experimente:
    Monte-Carlo-Produktion, Daten-Reprozessierung, Datenspeicherung, Entwicklung von Grid-Werkzeugen. GridKa ist für BaBar anerkanntes Tier A-Zentrum. Seit November 2003 sind Datentransfers zum Fermilab mit GridKa-Zertifikaten möglich. Erste LCG-Funktionalität wurde getestet (CDF).
  • Hauptnutzung durch LHC-Experimente:
    Data Challenges, Monte-Carlo-Produktionen. Erste Tier1-Tier2 Verbindung getestet (Uni Karlsruhe - FZK). Es wurde eine GridKa Computing School mit 30 externen Teilnehmern durchgeführt, die nun jährlich stattfinden soll. Das KET wurde aufgefordert, eine Stellungnahme zu GridKa im Rahmen der Evaluierung der Helmholtz-Zentren abzugeben, die die großen Bedeutung des GridKa für die Teilchenphysik in Deutschland unterstreicht.

Nachtrag außerhalb des Protokolls:

Mit Datum 22.12.03 wurde ein entsprechendes, von den Vorsitzenden des KET und KHuK unterzeichnetes Schreiben an Prof. R. Maschuw (FZK-Vorstand) gesandt. Der Wortlaut ist unter http://www.ketweb.de, Stichwort: Stellungnahmen einzusehen.


Für weitere Details siehe http://www-ekp.physik.uni-karlsruhe.de/~quast/ket/grid_de.pdf


Sitzungsleitung: G. Herten


TOP 4: Berichte weiterer HEP-Gruppen

a) Tevatron (P. Mättig)

Herr Mättig berichtet über die deutlich sichtbare deutsche Beteiligung an CDF und D0 sowie über das Tevatron-Running. Das für 2006 geplante Tevatron-Upgrade ist gestrichen. Die Luminosität der Maschine bleibt weiter hinter den Erwartungen zurück. Das Hauptproblem liegt in einer zu geringen Antiprotonen-Ausbeute. Dennoch liegt die Run II Luminosität deutlich (Faktor 5) über der RUN I Luminosität und wird weiter verbessert. Die integrierte Luminosität für RUN II beträgt bereits mehr als 300 pb-1 und liegt damit deutlich über der integrierten Luminosität von 120 pb-1 aus 4 Jahren RUN I. Neue Bereiche der Physik stehen damit für die Analyse offen. Die deutschen Beiträge liegen vor allem auf den Gebieten Top-Physik, B-Physik und Suche nach neuen Effekten und neuer Physik. Darüber hinaus kommen verstärkt Grid-Technologien zum Einsatz, wobei GridKa eine besondere Bedeutung zukommt. Herr Mättig unterstreicht die Bedeutung laufender Experimente für die Entwicklung des World Wide Grids.

Für weitere Details siehe http://iktp.tu-dresden.de/~spaan/honnef03/tevatron.pdf

 
b) B-Fabriken (K.R. Schubert)

Die Datennahme bei BABAR und BELLE verläuft weiterhin sehr gut. Die integrierte Luminosität ist mit 143 fb-1 für BABAR und 163 fb-1 für BELLE etwa vergleichbar. Die Spitzenluminosität beträgt für KEKB/BELLE ca. 1x10^34 cm-2s-1 und für PEP-II/BABAR ca. 6,6x10^34 cm-2s-1, wobei für PEP-II/BABAR aufgrund von Umbaumaßnahmem im Sommer-Shutdown eine weitere deutliche Steigerung erwartet wird. Zahlreiche Publikationen sind erschienen oder sind in Vorbereitung. Die Genauigkeit der Messung von sin2\beta ist jetzt so hoch, daß sie mitentscheidend für eine Präzisionsmessung des Unitaritätsdreiecks geworden ist. Zu den Highlights in 2003 gehören neben Messungen zu CKM-Matrixelementen und zu CP-Asymmetrien auch die Entdeckungen auf dem Sektor der D_S Mesonen. Die deutsche Beteiligung in der BABAR Kollaboration ist sehr gut sichtbar und ist durch neue Mitglieder (Universität Heidelberg - Gruppe Uwer und Universität Rostock - Gruppe Schröder) in 2003 nochmals vestärkt worden. Seit November 2002 ist GridKa auch Tier-A Zentrum für BABAR geworden. Neben der Übernahme zentraler Aufgaben für die Kollaboration, der Monte-Carlo-Produktion und der Datenanalysen deutscher BABAR-Mitglieder laufen Arbeiten zur Implementierung von Grid-Werkzeugen für BABAR-Anwendungen.

Für weitere Details siehe http://iktp.tu-dresden.de/~spaan/honnef03/bfactories.pdf

 
c) Neutrino-Projekte (R.-D. Heuer)

Herr Heuer verweist auf den vom KET organisierten Neutrino-Workshop, der am 6. und 7.10.2003 am DESY stattfand. Beschleuniger- und Reaktor-Experimente wurden eingehend diskutiert. Der Workshop stieß auf großes Interesse, alle Institute Deutschlands entsandten Vertreter. Programm und Vortragskopien sind unter http://www.ketweb.de/veranstaltungen/workshop_neutrino.html zu finden. Herr Heuer empfiehlt dabei den Übersichtsvortrag von Frau Hagner, die das zukunftsträchtigste Programm für Beschleunigerexperimente in Japan sieht. Er teilt mit, daß der Gutachterausschuß keine Empfehlung für eine weitere OPERA-Förderung gegeben hat.

 
d) Astroteilchenphysik (L. Köpke)

Herr Köpke berichtet über Experimente zur Astroteilchenphysik mit deutscher Beteiligung, wie z.B. AUGER, H.E.S.S., MAGIC, ANTARES, Baikal und Amanda/Icecube. Weitere Experimente betreffen die Neutrinophysik und die Suche nach Dunkler Materie. Der Aufbau der Experimente AUGER (200 von 1600 Wassertanks sind installiert), H.E.S.S. (erstes Licht 2002, Fertigstellung Anfang 2004) und MAGIC (erstes Licht 2003) war bislang sehr erfolgreich. Die Experimente nehmen Daten und konnten zum Teil auch schon Ergebnisse zeigen. AMANDA nimmt seit 1997 Daten und hat eine Reihe von Resultaten voröffentlicht. Für das Nachfolgeexperiment ICECUBE wird die endgültige Entscheidung im Mai 2004 und die Fertigstellung für 2010 erwartet. ANTARES befindet sich im Bau, die Fertigstellung soll 2006 erfolgen. Eine Entscheidung für ein Nachfolgeexperiment mit einem sensitiven Volumen von 1 km^3 soll durch das neu gegründete ApPEC (Astroparticle Physics European Coordination) durch einen Vorschlag für einen Ort vorbereitet werden. ApPEC übernimmt wichtige Funktionen für Strategie, Koordination und Finanzierung von Projekten, wobei die erfolgreiche Förderung der Astroteilchenpyhsik im Rahmen der EU Infrastruktur-Initiative (ILIAS) mit ca. 7,5 MEUR zu nennen ist. Herr Köpke berichtet auch über die Virtuellen Institute VIHKOS und VIDMAN. Weiterhin wird ein Komitee für Astroteilchenphysik (KAT) gegründet, wobei die Wahlkreise nicht nach Standorten wie bei KET, sondern Themengebieten gegliedert sind.

Für weitere Details siehe http://iktp.tu-dresden.de/~spaan/honnef03/astroteilchen.ppt

 
e) Theorie (W. Hollik)

Herr Hollik berichtet über Aktivitäten auf den Gebieten Phänomenologie, Gittereichtheorie, Quantenfeldtheorie und Stringtheorie, wobei die Phänomenologie im Bericht einen klaren Schwerpunkt darstellt. Ein Ziel ist hier die Erstellung von Tools zur Zusammenarbeit mit Experimenten. Die entsprechenden Physikgruppen weisen eine starke deutsche Beteiligung auf. Deren Förderung erfolgt über Universitäten, DESY, MPI sowie über BMBF, DFG und EU. Ein gestiegenes Interesse bei den Studierenden drückt sich in steigenden Diplomanden- und Doktorandenzahlen aus. Herr Hollik weist auf das Problem der abnehmenden Zahl an Dauerstellen in Deutschland hin, was zu einer Abwanderung ins Ausland, z.B. nach Großbritannien, geführt hat. Weiterhin wird die Bedeutung des Einwerbens von Drittmitteln unterstrichen. Hier ist für die Theorie insbesondere die DFG-Förderung zu nennen. Das Einwerben von EU-Mitteln war bislang im 6. Rahmenprogramm wenig erfolgreich.

In der nachfolgenden Diskussion zur EU-Förderung wird vor allem die fehlende Transparenz in der Zuordnung der Gutachter diskutiert, worunter die Grundlagenforschung sehr leidet. Ohne ein verbessertes Begutachtungssystem ist eine Antragstellung im Rahmen der EU-Programme wenig aussichtsreich.

 
f) Theorie mit Höchstleistungsrechnern (K. Jansen)

Herr Jansen berichtet über Aktivitäten zur Gittereichtheorie in Deutschland. In 2003 wurde die LATFOR Initiative (Lattice Forum) gemeinsam mit Gruppen aus Österreich und der Schweiz gegründet. Zu den Aufgaben von LATFOR gehören die Koordinierung des Physikprogramms, die gemeinsame Benutzung von Software und Rohdaten sowie die Ermittlung des Bedarfs an Höchstleistungsrechnern. So schlägt LATFOR den Bau eines Multi-Teraflops-Rechners mit einer Spitzenleistung von ca. 25 Tflops vor. Das derzeit in Deutschland laufende System ist APEmille bei DESY-Zeuthen mit einer Leistung von 550 Gflops. Das Nachfolgeprojekt ist APEnext, das in Kollaboration von DESY, INFN und Paris Sud entsteht. Insgesamt wird eine Leistung von 10 Tflops bei ca. 6000 Prozessoren mit 1-4 TB RAM angestrebt. Die entsprechenden Chips sind bereits produziert. Konkurrierende Projekte (z.B. QCDOC) werden aber über eine deutlich höhere Leistung (ca. 40 Tflops Peak) verfügen. Der von LATFOR vorgeschlagener Höchstleistungsrechner würde mit eine Dauerleistung von 12,5 Tflops QCDOC ebenbürtig sein. Weiterhin berichtet Herr Jansen über erfolgreiche Drittmitteleinwerbungen und laufende bzw. zukünftige EU-Anträge.

Für weitere Details siehe http://iktp.tu-dresden.de/~spaan/honnef03/theorywithsupercomputers.pdf


Sitzungsleitung: S. Bethke


TOP 5: Verbundforschung

a) Mitteilungen des BMBF (H.-F. Wagner/BMBF)

Herr Wagner gratuliert zunächst R. Rückl zur Wiederwahl als KET-Vorsitzender und berichtet dann über den derzeitigen Sachstand der Hochenergiephysik aus der politischen Sicht des BMBF.

Nach Befassung im Bundeskabinett hat das BMBF im Februar mit dem XFEL und dem GSI-Ausbau zwei neue Großprojekte für die physikalische Grundlagenforschung mit einem Investitionsvolumen von 1 Mrd EURO aus Bundesmitteln beschlossen. Für TESLA hat das BMBF zu diesem Zeitpunkt kein Standortangebot unterbreitet, gleichzeitig aber seine Absicht bekräftigt, eine starke Beteiligung von DESY an einem globalen Linearbeschleuniger (LC) zu unterstützen. Die Bundesregierung hat damit als erste ein klares Bekenntnis zum LC abgelegt, das MinDir Dr. Schunck anläßlich der EPS-Tagung in Aachen noch einmal bekräftigt hat.

Ein erstes Treffen zur Beratung des weiteren Vorgehens bei Großprojekten fand am 10.3.2003 unter Beteiligung der großen europäischen 'funding agencies' (CIEMAT, INFN, IN2P3, PPARC, BMBF) am DESY statt. Das Treffen fiel mit einem Besuch von J. Marburger, dem Scientific Advisor des US-Präsidenten, bei DESY zusammen. Nach Marburgers Ansicht sollte die LC-Standortfrage wie bei einem Großteleskop gehandhabt und primär nach technisch-wissenschaftlichen Kriterien entschieden werden. Im gleichen Zusammenhang hat Ministerin Bulmahn Großprojekte der physikalischen Grundlagenforschung auf die Tagesordnung des "Carnegie-Treffens" der Forschungsminister der großen Industriestaaten im Juli gesetzt.

Ende Juli hat sich auf Initiative der USA und Großbritanniens in London FALC (Funding Agencies for Linear Collider) konstituiert. Daran beteiligt sind die großen funding agencies der USA und Kanadas, BMBF, CERN, INFN, IN2P3, und PPARC. CERN vertritt primär die kleinen Mitgliedsländer als deren 'funding agency'. Zum FALC-Chairman wurde PPARC Chief Executive Ian Halliday gewählt. Als wichtiges Ergebnis des Treffens ist festzuhalten, daß FALC an einem Überlapp des LC mit LHC festhält und daher einen Betrieb ab 2015 für wissenschaftlich wichtig hält. Dies bedingt eine schnelle Technologieentscheidung, möglichst bis Mitte 2004, zur Bündelung wichtiger Ressourcen sowie eine politische Entscheidung etwa im Jahr 2007. Die Rolle des CERN-Councils bei der Entscheidungsfindung muß noch geklärt werden.

Die 'Consultative Group on High Energy Physics' des OECD Global Science Forums, in der Deutschland von H.-F. Wagner und R. Heuer vertreten wird, hat sich am 20.11.2003 in Paris getroffen. Die OECD-Roadmap zur Hochenergiephysik soll in einer Ministererklärung im Januar 2004 festgehalten werden. Auch hier wird der LHC-LC Überlapp als kritisch für die weitere Strategie in der Hochenergiephysik angesehen. Von den Vertretern der USA in der Gruppe wurde die Ansicht vertreten, daß das 'ranking' des LC im kürzlich veröffentlichten 20-Jahre-Papier des DOE nicht als Posteriorität in Relation zu den Projekten der ersten Prioritätengruppe gesetzt werden darf und das Finanzierungsprofil "quantenmechanisch" gesehen werden sollte. Die USA evaluieren derzeit intern fünf LC-Technologievarianten. Auf der Arbeitsebene sind Europa und die USA jetzt gut für den LC organisiert, während es auf der politischen Ebene über FALC erste Gespräche gibt; die Rolle Japans ist noch unklar. Auf europäischer Ebene wird die Haltung des CERN und der kleinen CERN-Mitgliedsländer als klärungsbedürftig gesehen; Europa muß eine gemeinsame Haltung zur Standortfrage entwickeln.

Mit dem 'European Strategy Forum for Research Infrastructures' ESFRI unter Vorsitz von Hans Chang (FOM) hat sich ein europäisches Pendant zum Global Science Forum außerhalb des EU-Rahmens konstituiert. ESFRI hat sich bisher mit Neutronenphysik, Synchrotronstrahlung, Hadronen- und Kernphysik, Forschungsschiffen, dem Grid und anderen Themen befaßt; die Zukunft der europäischen HEP wurde bisher nur informell angesprochen.

Im Bereich der Astroteilchenphysik haben sich unter dem Namen ApPEC (Astroparticle Physics European Co-ordination) die beteiligten funding agencies aus D, E, F, GR, I, NL, UK sowie ESF, CERN, ESO und ESA als Beobachter zusammengeschlossen. Das 'steering committee' wird von R. Petronzio (INFN) geleitet, Deutschland ist durch die Herren Voelk, H.-F. Wagner und Berghöfer vertreten. Im Peer Review Committee wird Deutschland von v. Feilitzsch, Spiering, Danzmann und Hofmann vertreten.

Die Verbundförderung des BMBF für die HEP wurde in diesem Jahr neu ausgeschrieben; der Gutachterausschuß wurde teilweise neu besetzt (neuer Vorsitzender: R-D. Heuer/HH). Trotz der außerordentlich angespannten Finanzlage plant das BMBF, die Förderung mit 30.4 MEURO für den Zeitraum 1.1.2004-30.6.2006 in etwa auf dem Niveau der vorherigen Förderperiode zu halten. Dies bedingt harte Prioritätensetzungen. Insbesondere war eine negative Entscheidung über die Förderung von OPERA unvermeidlich, was im BMBF außerordentlich bedauert wurde.

Zu GridKA merkt Herr Wagner an, daß ein unterstützender Brief des KET, ähnlich wie der zum künftigen HEP-Programm von DESY, für die anstehende HGF-Evaluierung sehr hilfreich und daher von hoher Priorität sein sollte.

Am 25.6.2003 hat in Berlin ein Parlamentarischer Abend der DPG zum Thema "Zukunftsmaschinen" stattgefunden, auf der die HEP von Herrn Wegener (DO) vertreten wurde und der ein erfreuliches Medienecho gefunden hat. Abschließend weist Herr Wagner noch auf die Veranstaltungen "Highlights der Physik" 2002-2004, die neu erschienene Denkschrift "Hadronen- und Kernphysik" (Pendant zur KET-Broschüre "Teilchenphysik in Deutschland") sowie auf das neue, vom BMBF geförderte Internetportal "Welt der Physik" hin.

 
b) Mitteilungen des Projektträgers

b1) Förderbereich HEP (K. Ehret/DESY-HS)

Herr Ehret berichtet über die Arbeit des Projektträgers DESY-HS und stellt zunächst als neue Mitarbeiterin Frau Heidrun Bojahr vor, die neben ihrer wissenschaftlichen Mitarbeit im Förderbereich HEP auch das Internetportal "Welt der Physik" betreut.

Der neue Gutachterausschuß (GA) hat sich im März 2003 in Aachen konstituiert und R.-D. Heuer (HH) zum neuen Vorsitzenden gewählt. Herr Ehret dankt aus diesem Anlaß den ausgeschiedenen Mitgliedern und besonders dem bisherigen Vorsitzenden J. Drees (W) für ihre Arbeit.

Die Astroteilchenphysiker haben auf einem Workshop in Karlsruhe die Gründung des "Komitees für Astroteilchenphysik" KAT nach Vorbild des KET beschlossen.

Herr Berghöfer verfolgt und betreut in Zukunft für DESY-HS die EU-Aktivitäten.

Die neue HEP-Förderperiode wurde am 2.1.2003 auf der Grundlage der KET-, HEPAP-, und OECD-Studien ausgeschrieben. Thematische Schwerpunkte sind der Ursprung der Masse, Vereinheitlichung der Naturkräfte und Erweiterungen des Standardmodells. Experimentelle Schwerpunkte sind Experimente bei DESY und CERN (insbesondere HERA und LHC), LHC Computing (GridKa) und LC-Vorarbeiten. Antragsfrist war der 30.4.2003, die Förderperiode läuft vom 1.1.2004 bis 30.6.2006. In 63 Anträgen wurden ca. 46 MEURO beantragt, etwa 50% mehr als die verfügbaren 30.4 MEURO. Auf einer beratenden Sitzung des GA im Juni wurden Schwerpunkte beim Betrieb der HERA-Experimente und der Fertigstellung der LHC-Experimente gesetzt; diese Projekte genießen absolute Priorität und dominieren die Ausgaben der neuen Förderperiode. Daneben werden Universitätsbeteiligungen an LHCb, LC R&D, begleitende Theorievorhaben, Fermilab-Experimente zur Überbrückung bis LHC-Beginn, sowie NA48 gefördert. Eine Förderung der Neutrinophysik (OPERA) ist derzeit nicht vorgesehen. Vom geplanten Fördervolumen konnten ca. 19 MEURO für die Bewilligung bereitgestellt werden, die restlichen ca. 11 MEURO sind in Aussicht gestellt. Insgesamt weicht die kassenmäßige Bereitstellung derzeit noch stark vom erwarteten Bedarfsprofil ab. Von den Neubewilligungen sind ca. 47% für Personal (ca. 3100 Personen-Monate), 10% für Reisen und 41% für Investitionen vorgesehen.

Die Aufforderungen für die Abgabe von Schlußberichten für die laufende Förderperiode werden noch im Dezember 2003 mit Termin Ende März 2004 versandt. Dies soll eine zeitnahe Begutachtung und Veröffentlichung durch den GA erlauben, die für den Juni 2004 vorgesehen ist.

Der seit langem bestehende Grundsatz, daß die Verbundförderung nicht institutionell geförderten Einrichtungen (MPG, HGF, FhG, WGL) zugute kommen darf, wurde kürzlich in einem Rundschreiben von Staatssekretär Dudenhausen bekräftigt und soll in Zukunft wieder sehr restriktiv gehandhabt werden. Ausnahmen bedürfen einer Einzelgenehmigung durch den zuständigen Abteilungsleiter. In diesem Zusammenhang wird auch daran erinnert, daß der Bundesrechnungshof die seit 1975 unveränderte Bagatellgrenze von 500 TDM/Jahr aus der Bund-Länder-Vereinbarung sehr eng auslegt.

Für weitere Details siehe http://www.desy.de/desy-hs/hep/talks/DESY_HS_HEP_KET2003.pdf.

 
b2) Internet-Portal "Welt der Physik" (H. Bojahr/DESY-HS)

Frau Bojahr stellt das neue Internet-Portal "Welt der Physik" (WdP) (http://www.weltderphysik.de) vor, das vom BMBF gefördert und von der DPG als Herausgeber getragen wird. Ziel ist es, allgemeinverständliche Artikel zu Experimenten und Theorie mit breiter thematischer Abdeckung zugänglich zu machen und geplante Großprojekte vorzustellen. Die Artikel werden entweder gezielt für "Welt der Physik" entwickelt oder aus Broschüren mit ähnlicher Zielsetzung übernommen und angepaßt. Darüber hinaus werden zur allgemeinen Information ein Forschungsatlas, Veranstaltungskalender, Bildergalerie und eine kommentierte Linksammlung angeboten.

KET ist seit kurzer Zeit Partner von WdP; WdP verwendet auch die KET-Broschüre "Teilchenphysik in Deutschland".

Frau Bojahr weist die Teilnehmer ausdrücklich auf die Möglichkeit hin, WdP für ihre Interessen zu nutzen, also z.B. ihr Forschungsgebiet im Web bekannt zu machen oder für Veranstaltungen überregional zu werben. Gleichzeitig bittet sie darum, die Arbeit von WdP durch eigene, neue Artikel, kritische Durchsicht der bestehenden Seiten, Anregungen und Kritik, sowie vielfältige Weitergabe des Portal-URLs zu unterstützen.

Für weitere Details siehe http://www.desy.de/desy-hs/hep/talks/DESY_HS_WdP_KET2003.pdf.

TOP 6: Kurzberichte

a) DPG-Angelegenheiten (N. Wermes)

In Abwesenheit von Herrn Wegener weist Herr Wermes auf die Instrumentierungskonferenz IEEE hin und stellt die Möglichkeit zur Diskussion, diese Konferenz im Jahr 2007 in Deutschland auszurichten.

Der Vorschlag wurde prinzipiell befürwortet. Allerdings muß sich eine Institution bereitfinden, diese große Veranstaltung mit rund 1500 Teilnehmern zu organisieren. Weiter schlägt Herr Wermes vor, eine DPG-Arbeitsgruppe "Instrumentierung" zu gründen, die übergreifend Themen der Detektorentwicklung und -auslese in Teilchen- und Astrophysik bis hin zu "Medical Imaging" behandeln soll. Dieser Bereich der angewandten, aber nicht direkt industriebezogenen Physik benötige eine bessere Organisation über die BMBF-Verbundforschung hinaus. Insbesondere sollte die finanzielle Förderung durch die DFG und EU verbessert werden. Dieser Vorschlag wurde ebenfalls positiv aufgenommen. Es wurde betont, daß die Finanzierung dieser fachübergreifenden Projekte nicht allein zu Lasten der BMBF-Verbundforschung Teilchenphysik gehen kann. Es wäre zu wünschen, daß die DFG vermehrt Projekte dieser Art fördert, in ähnlichem Umfang wie dies bei anwendungsorientierten Ingenieursthemen der Fall ist.

 
b) ECFA/RECFA (K. Meier)

Herr Meier berichtet über die Aktivitäten von ECFA und RECFA und weist auf die entsprechenden Berichte auf den KET-Seiten (kondensiert) und den ECFA-Seiten hin. RECFA gibt konkrete Strukturempfehlungen an die besuchten Länder. Im Jahr 2003 wurden die Länder Spanien, Belgien und Finnland besucht.

Die Rolle von Plenary ECFA wurde um die Bewertung von Zwischenberichten über den Zustand der Hochenergiephysik in den CERN-Mitgliedsländern ergänzt. Der erste Zwischenbericht über die Situation in Deutschland wird wahrscheinlich im Herbst 2004 fällig werden. Beim letzten Besuch in Deutschland (Berlin, 2000) wurden u.a. die fallenden Studentenzahlen, die Perspektiven für Post-Docs, zu erwartende Doktorandenprobleme sowie das Alter der Absolventen angemahnt.

Von den Aktivitäten von RECFA ist für das Jahr 2003 besonders die Koordination für das CARE (Coordinated Accelerator Research) Projekt zu nennen, welches im 6. Rahmenprogramm der EU mit einer Gesamtsumme von 15.2 MEURO für 24 Institute gefördert werden wird.

Für weitere Details siehe http://www.uni-mainz.de/~koepke/ECFA-HEP-2003.pdf.

 
c) CERN-ACCU (H. Kroha)

Die deutschen Vertreter sind H. Kroha (seit 2002) und G. Quast (seit 2003). Offizielle Protokolle finden sich unter http://ep-div.web.cern.ch/ep-div/ACCU/ . Besonders relevant sind die Diskussionen um ein Dokument zur Mindestanforderung der Sozialversicherung, die Zunahme von Diebstählen und entsprechende Verhaltensregeln (z.B. Kontaktierung der Feuerwehr), sowie die Erhöhung der Hostelpreise um 4% nach 5 Jahren Preiskonstanz. Der Bau eines neues Hostel ist frühestens ab 2005 möglich. Es wurde angeregt, die Hostels mit WLAN auszurüsten. Laptops müssen obligatorisch registriert werden (http://cern.ch/register).

Für weitere Details siehe ftp://wwwatlas.mppmu.mpg.de/outgoing/accu/accu_report_221103.ppt.

 
d) CERN-Fellows (K. Jakobs)

Im Fellowship-Programm stehen pro Jahr insgesamt ca. 28 Stellen im experimentellen, 15 Stellen im theoretischen und 28 Stellen im "Applied Science and Engineering"-Bereich zur Verfügung. Bewerber müssen jünger als 33 Jahre und promoviert sein; letzteres gilt nicht für Applied Fellows. Generell bewirbt man sich für ein "Particle Physics Fellowship" im Land, in dem man promoviert hat. Eine Vorauswahl der deutschen Kandidaten wurde in einer kleinen Gruppe getroffen. Applied Fellows bewerben sich dagegen direkt am CERN; eine gleichzeitige Bewerbung in beiden Bereichen ist durchaus möglich.

Während es zum März-Termin 2003 nur 2 deutsche Bewerber für den experimentellen Bereich gab, stieg die Anzahl September-Termin auf 16. Die Erfolgsquote der deutschen Bewerber war diesmal relativ groß.

In der nachfolgenden Diskussion wurde das Problem der geringen Anzahl von deutschen Fellows im "Applied Science and Enginieering"-Bereich hervorgehoben. Ingenieure aus Deutschland bewerben sich praktisch nicht; besonders schlecht sieht die Bewerbersituation im Bereich der Beschleunigerentwicklung aus. Dies ist u.a. die Folge der Nichtanspruchnahme des "Technical" und "Doctoral Student" Programms, die einem Fellowship oft vorausgehen. Österreich bietet hier ein hervorragendes Unerstützungsprogramm an. Es wurde vorgeschlagen zu eruieren, ob ein ähnliches Programm auch in Deutschland initiiert werden könnte.

Der Bewerbungsschluß im kommenden Jahr ist der 3.3.2004 (Experiment), bzw. 2.9.2004 (Experiment und Theorie).

Für weitere Details siehe http://www.uni-mainz.de/~koepke/cern-fellows_nov03.pdf.

TOP 7: Verschiedenes (R. Rückl)

Als einzigen Punkt kündigt Herr Rückl die nächste Jahresversammlung an. Sie wird am 19.- 20.11.2004 wieder im Physikzentrum Bad Honnef stattfinden. Danach schließt Herr Rückl die Versammlung.


Anmerkung außerhalb des Protokolls:

Am Freitag, 21.11.2002, ab 20:00 Uhr fand ein informelles Treffen statt, bei dem folgende Themen diskutiert wurden:

1. Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere Veranstaltungen in D anläßlich der 50-Jahr-Feier des CERN (M. Kobel)

Herr Kobel gibt einen ausführlichen Bericht, der unter http://www.teilchenphysik.org/temp_aktuell_aktivitaeten_D.htm zu finden ist.

 
2. (a) Internationale Grid-Projekte (M.Kasemann)
(b) GridKa und D-Grid (R. Maschuw)

Der Bericht von Herrn Kasemann ist unter http://www.desy.de/~kasemann/files/KET-Discussion-031121.ppt, der Bericht von Herrn Maschuw unter http://grid.fzk.de/grid/publication/Reinhard_Maschuw_Bad_Honnef_2004.ppt oder http://grid.fzk.de/grid/publication/Reinhard_Maschuw_Bad_Honnef_2004.pdf einzusehen.


Last modified: Tue Jan 13 12:52:56 MET 2004