Protokoll der Jahresversammlung 2001
der deutschen Elementarteilchenphysik
am 15. Dezember 2001 im Physikzentrum Bad Honnef
Beginn der Versammlung: 8:45 Uhr
Teilnehmer: ca. 90 Wissenschaftler
Vertreter des BMBF: J. Richter, H.-F. Wagner
Vertreter des Projektträgers DESY-HS: T. Berghöfer, K. Ehret, A. Lindner
Eröffnung der
Versammlung durch den Vorsitzenden des Komitees für
Elementarteilchenphysik (KET), R. Rückl
Die Versammlung genehmigt folgende Tagesordnung:
1. KET-Angelegenheiten
2. Vorbereitung der Denkschrift: Teilchenphysik in Deutschland
3. Berichte von DESY
4. LHC: Kosten und Planung
5. Astroteilchenphysik
6. Verbundforschung
7. Kurzberichte (DPG, (R)ECFA, ACCU, CERN-Fellows, Öffentlichkeitsarbeit)
8. Verschiedenes
Sitzungsleitung: R. Rückl
| a) | R. Rückl gibt einen kurzen Bericht über die Arbeit des KET in den vergangenen 12 Monaten: |
- Im vergangenen Jahr fanden drei KET-Sitzungen statt: am 27.3.01 (Bonn),
29.9.01 (Mainz) und 12.11.01 (Mainz).
- Es wurden Stellungnahmen, bzw. Empfehlungen zu folgenden Themen
erarbeitet:
- Aufbau eines Regionaldaten- und -rechenzentrums für die deutschen
Teilchenphysikgruppen (April 2001)
- TESLA-Projekt (Brief an A. Wagner, DESY, Oktober 2001)
- LHC Kostenüberschreitungen (Brief an H. Schunck, BMBF, Oktober 2001)
- Recommendations of the German Komitee für Elementarteilchenphysik (KET) concerning the CERN/LHC Financial Crisis (November 2001).
- Im Januar 2001 führte das KET Nachwahlen von deutschen ECFA- und
ACCU-Vertretern durch. Derzeit werden wieder vier neue ECFA- und ein
neuer ACCU-Vertreter gewählt. Weiterhin hat das KET bei der
Kandidatenfindung für die Wahl eines neuen Vorsitzenden des
DPG-Fachverbandes Teilchenphysik im März 2001 mitgewirkt. Für den
ausscheidenden Vorsitzenden, E. Hilger, ist der neugewählte Vorsitzende,
D. Wegener, als Ex-Officio Mitglied in das KET nachgerückt.
- Schließlich hat das KET mit den Vorbereitungen für eine Denkschrift
über die Teilchenphysik in Deutschland in den nächsten 10 bis
15 Jahren begonnen (siehe Diskussion am Vorabend und TOP 2).
- Das KET hat unter der URL-Adresse
http://www.ketweb.de
eine Internetseite eingerichtet, auf der Sitzungsprotokolle, Stellungnahmen
und andere wichtige Mitteilungen abgelegt werden und so von allen
Mitgliedern der Gemeinschaft und Interessierten eingesehen werden
können.
- Anfragen, Vorschläge, etc. aus der Gemeinschaft sollen möglichst
direkt an den jeweiligen Wahlkreisvertreter im KET gerichtet werden.
Abstimmungen und Wahlen werden getrennt nach Wahlkreisen durchgeführt.
Es wird noch einmal klargestellt, daß die Wahlkreise 1-7 ausschließlich
für die experimentellen Gruppen eingerichtet worden sind, während die
Theoretiker unabhanegig von ihren Standorten zum Wahlkreise 8 (THEORIE)
gehören. Über die Zuordnung der experimentellen Standorte zu den
Wahlkreisen 1-7 kann man sich auf der KET-Internetseite informieren.
| b) | R. Rückl begründet folgende Änderungen der Leitlinien und beantragt deren Genehmigung: |
- Der Vertreter des Wahlkreises CERN im KET, H.F. Hoffmann, und dessen
Stellvertreter, W.-D. Schlatter, sind gleichzeitig zurückgetreten.
Dieser Umstand erfordert eine Nachwahl, die in den Leitlinien des KET
bisher nicht vorgesehen war. Daher ist eine entsprechende Ergänzung
der Leitlinien notwendig. Das KET schlägt vor, folgende Bestimmung
am Ende des Paragraphen 3 (Wahlverfahren) aufzunehmen:
Scheiden ein gewähltes Mitglied des KET und das Ersatzmitglied
innerhalb einer Wahlperiode aus, sind in dem betroffenen Wahlkreis
umgehend Nachfolger zu wählen. Die Nachwahl wird nach dem in 3.
festgelegten Verfahren durchgeführt, jedoch mit folgenden
Vereinfachungen. Wahlberechtigt und wählbar sind nur die
promovierten Mitglieder der Gemeinschaft in dem betroffenen
Wahlkreis. Jeder Wahlberechtigte hat eine Stimme. Für die
Nachwahl werden die Aufgaben des Vorsitzenden vom ausscheidenden
Wahlkreisvertreter wahrgenommen.
Diese Satzungsänderung wird ohne Gegenstimme angenommen.
- Aufgrund der Erfahrung im ersten Amtsjahr des KET soll die Verteilung
der Sitzungsprotokolle, Stellungnahmen und Mitteilungen des KET neu
geregelt werden. Sie soll nicht mehr wie früher über die örtlichen
DPG-Kontaktpersonen, sondern nur noch über die Wahlkreisvertreter im
KET erfolgen. Dazu schlägt das KET vor, den Paragraphen 4 der
Leitlinien wie folgt zu ändern:
4. Sitzungen, Protokolle, Mitteilungen, Kosten
Das Komitee tagt mindestens einmal pro Jahr. Weitere Sitzungen
sind einzuberufen, wenn dies von mindestens einem Drittel der
Mitglieder des Komitees gewünscht wird. Die Sitzungen werden
vom Vorsitzenden einberufen. Die Sitzungsprotokolle sind
durch die Mitglieder des Komitees im Umlaufverfahren zu
genehmigen.
Die Sitzungsprotokolle werden wie alle übrigen Mitteilungen
des KET durch die gewählten Vertreter der Wahlkreise allen
Mitgliedern der Gemeinschaft in den jeweiligen Wahlkreisen
zugänglich gemacht.
Die Erstattung entstehender Kosten wie Reisespesen usw. liegt
in der Eigenverantwortung der Mitglieder des Komitees.
Auch diese Satzungsänderung wird ohne Gegenstimme angenommen.
| a) | G. Herten berichtet über den Stand der Planungen und faßt die Diskussion vom Vorabend über Ziel, Inhalt und Zeitplan der geplanten Denkschrift zusammen: |
- Auf Anregung aus dem BMBF hat das KET auf seiner Sitzung am 29.9.01
in Mainz beschlossen, bis Ende 2002 einen Bericht über den Status
und die Perspektiven der Teilchenphysik in Deutschland in den
nächsten 10 bis 15 Jahren zu erstellen. Es wurde ein Redaktionsteam
(RK) eingesetzt, dem folgende Kollegen angehören:
G. Herten
W. Hollik
L. Köpke
T. Lohse
K. Meier
G. Quast
R. Rückl
T. Ruf
A. Stahl
N. Wermes (Stellvertreter)
P. Zerwas (Federführung)
Das RK hat sich am 24.11.01 in Mainz zu einer ersten Sitzung getroffen
und ein Konzept für die Denkschrift erarbeitet.
- Dieses Konzept wurde von P. Zerwas am Vorabend erläutert und zur
Diskussion gestellt (http://www.desy.de/~zerwas/HEP-Denkschrift/Layout).
- Weiter wurden zur Meinungsbildung kurze Übersichtsvorträge von Th. Ruf
über CP-Experimente (http://truf.home.cern.ch/truf/talks/Bad_honnef.ppt),
von W. Schmidt-Parzefall über Neutrinostrahlen und -experimente
(http://www-opera.desy.de unter Publications) und von A. Wagner über
die Empfehlungen des HEPAP-Subpanels zur Prioritätensetzung in den USA
(http://desyntwww.desy.de/~wagnera/aw_honnef_20011215.pdf) präsentiert.
- Die anschließende Diskussion unter Leitung von G. Herten ergab
weitgehende Übereinstimmung über Inhalt und Gliederung der
Denkschrift. Für die auszusprechenden Empfehlungen konnte
man sich auf folgende Eckpunkte einigen:
- Es muß alles unternommen werden, um den LHC ohne Verzögerung
fertigzustellen und die Detektoren in die Lage zu versetzen, dann
Daten nehmen zu können.
- Der Bau eines e+e- Linearbeschleunigers (LC) mit einer Gesamt-
energie von 0.5 - 1 TeV ist das nächste Projekt der
Hochenergiephysik.
Der LC soll in zeitlicher Überlappung mit dem LHC betrieben
werden. Deutschland soll sich am Bau der Maschine und der Detektoren
beteiligen.
Deutschland soll Hamburg als Standort von TESLA anbieten.
- Laufende Experimente sollen so weitergeführt werden, daß die
geplanten physikalischen Ziele erreicht werden können. Neue
Projekte sollen nur nach Abschluß der alten begonnen werden.
- Für die Fertigstellung der Denkschrift ist folgender Fahrplan
vorgesehen:
- DPG-Tagung 3/2002, Leipzig: Zwischenbericht des RK und 1. Entwurf
- 5/2002, IFH-Zeuthen: Veranstaltung zur Diskussion über Physik und
Projekte außerhalb von LHC und LC und Festlegung von Prioritäten
- Fertigstellung des 2. Entwurfs
- 11/2002, Bonn: Symposium über Teilchenphysik
Zielgruppen des Symposiums sind vor allem Studenten, Doktoranden
und junge Nachwuchswissenschaftler sowie Vertreter aus Politk und
Wissenschaft
- Frühjahr 2003: Vorstellung der Denkschrift.
- Um neues und verläßliches Datenmaterial für die Denkschrift zu
sammeln, kündigt K. Meier an, daß bis zum 18.12.01 ein
Fragebogen zur personellen Situation in den deutschen
Teilchenphysikinstituten auf der Webseite des KET abgelegt wird,
der von jedem Institut ausgefüllt und bis spätesten zum 15.1.02
zurückgesandt werden soll.
| b) | H.-F. Wagner äußert sich zur Lage der HEP aus der Sicht des BMBF: |
- Das BMBF hat im Jahr 2000 für Großgeräteforschung im Bereich der
Physik Mittel in Höhe von 1389 MDM vergeben. Auf die HEP entfielen
569 MDM, davon 210 MDM für DESY und 260 MDM für CERN.
- Der TESLA TDR hat allgemein ein hervorragendes Echo gefunden. Die
weltweite Konvergenz der Meinungen für einen e+e- Linear-Collider,
die in den Erklärungen von ECFA, ACFA und HEPAP zum Ausdruck kommen,
wurde mit großer Genugtuung aufgenommen.
- Die Kostenerhöhung beim Bau von LHC am CERN gibt Anlaß zur Besorgnis.
Sie stellt das bisher bestehende Vertrauen in die Glaubwürdigkeit
der Kostenpläne für HEP Projekte in Frage.
- Im September 2001 wurde die Helmholtz Gemeinschaft (HGF) gegründet, der
auch DESY als Mitglied angehört. Die konstituierende Sitzung des Senats
der HGF fand im November statt.
| c) | Nach erneuter Diskussion wird einem gemeinsamen Konzept für die
Denkschrift als Grundlage für die Arbeit des RK (siehe Verweis
Konzept unter http://www.ketweb.de),
den oben genannten Eckpunkten für die Empfehlungen, sowie dem
Fahrplan zur Fertigstellung des Papiers mehrheitlich zugestimmt. |
Sitzungsleitung: K. Meier
- Der Betrieb von HERA I (1. Phase bis Ende 2000) hat die geplante
maximale Luminosität erreicht und führte zu einer integrierten
Luminosität von 165 pb**-1 für Positronen und 27.5 pb**-1 für
Elektronen je Wechselwirkungspunkt. Eine longitudinale
Positronpolarisation von 60% wurde für HERMES erreicht. Es
werden nochmals wichtige physikalische Ergebnisse vorgestellt,
die in dieser Phase erzielt wurden.
- Ziel von HERA II ab 2002 soll primär die Physik bei höchstem
Q**2 bzw. seltene Prozesse sein. Hierfür wurden die Maschine
und die Experimente umgebaut. Es soll eine integrierte Luminosität
von 1 fb**(-1) bis 2006 erreicht werden, wobei diese auf e+,e-
und verschieden polarisierte Strahlen aufgeteilt wird. Das HERA
commissioning läuft zufriedenstellend. Es sind aber die üblichen
Anlaufprobleme zu überwinden.
- Ab 2007 wird eine neue Phase beginnen. Insbesondere ist geplant,
ein dezidiertes Programm für die Synchrotronstrahlung bei PETRA
zu starten. Der Wissenschaftliche Rat hat hierzu empfohlen, nach
einer Lösung zu suchen, die sowohl die Forschung mit
Synchrotronstrahlung mit PETRA als auch die Hochenergiephysik mit
HERA erlaubt.
- Ein potentielles neues Physikprogramm für HERA nach 2006 soll
in einem Workshop bis Ende 2003 diskutiert werden. Es schließt
Fragestellungen wie e-A Wechselwirkungen und Streuung an
polarisierten Protonen ein. Klar ist aber, daß TESLA die erste
Priorität nach 2006 haben wird.
- In der Diskussion stellt Herr Klanner klar, daß eine Fortsetzung des
HERAII Physikprogramms nach 2006 nur schwer vorstellbar sei. Die
Bedingungen für ein neues Physikprogramm HERAIII nach 2006 sind
wissenschaftliche Qualität, eine potente Community und die notwendigen
finanziellen und personellen Ressourcen.
- Der Stand der technischen Vorbereitung von TESLA und die Basis
der Kostenschätzung werden vorgestellt. Die supraleitende
Technologie für einen 500 GeV LINAC ist verfügbar für die
Fertigung der Kavitäten. Man ist auf gutem Weg zu höheren
Feldgradienten bis 35 MV/m, wie sie für eine Energieerhöhung bis
800 GeV notwendig sind. Wesentlich für das Erreichen höherer
Feldgradienten sind die jüngsten Arbeiten zum electropolishing
vor allem bei KEK und CERN. Falls Kavitäten mit hohem Feldgradienten
rechtzeitig für den Bau von TESLA entwickelt würden, böte
sich die Möglichkeit, die Maschine schon frühzeitig bei hohen
Energien, aber reduzierter Luminosität zu betreiben, um die
Physik auszuloten. Der Vollbetrieb erfordert dann aber eine
Nachrüstung von Kryogenik und HF-Leistung.
- Es wird an einigen Beispielen gezeigt, daß die Kostenabschätzung
weitgehend auf der Fertigung von Prototypen in der Industrie und
industriellen Kostenabschätzungen für die Massenfertigung beruht.
Die Zusammensetzung der Kosten wird für die wichtigsten
Komponenten erläutert und die Risiken werden diskutiert.
- In der Diskussion werden hauptsächlich Einzelfragen zu möglichen
Kostenrisiken gestellt. Herr Trines erklärt, daß im Prinzip die
Möglichkeit bestünde, die Kavitäten auch in Eigenverantwortung
der Labors zu fertigen, falls die Angebote aus der Industrie zu hoch
wären.
- Die Besuche der mit dem TESLA-LC und dem X-FEL befaßten Arbeitsgruppen
des Wissenschaftsrats vor Ort bei DESY haben bereits stattgefunden.
Die erste Resonanz war durchweg positiv. Die mit dem Projekt zu
beantwortenden physikalischen Fragen wurden als zentrale Fragen
eingestuft, die exzellente technische Vorbereitung des Projekts wurde
gelobt und die TESLA Test Facility (TTF) wurde als sehr beeindruckend
hervorgehoben. Als vorläufige Empfehlung wurde DESY ermutigt, die
Entwicklung der Kavitäten zu höheren Gradienten (35 MV/m) mit
Vorrang voranzutreiben.
- Zum X-FEL wurde bemerkt, daß das wissenschaftliche Potential
exzellent sei, die Koordination zwischen DESY und BESSY aber noch
verbessert werden sollte. Zur Zeit wird einen gemeinsame Stellungnahme
beider Institutionen vorbereitet.
- DESY hat eine Variante von TESLA entwickelt, bei der die X-FEL
Strahlungsquelle und der HEP-Beschleuniger durch eine separate
Beschleunigungsstrecke für den X-FEL entkoppelt werden.
Die Zusatzkosten belaufen sich auf etwa 220 MEuro. Dies entkoppelt
auch den Bau und den Betriebsbeginn beider Anlagen weitgehend
und erlaubt es, den XFEL auch mit geringerer Energie zu starten.
Dies ist inzwischen die von DESY bevorzugte Variante und kommt
einem dringenden Wunsch der Nutzer von Synchrotronstrahlungsquellen
entgegen.
- Ein großer Fortschritt beim X-FEL wurde erzielt, als am 10.9.01
die vollständige Sättigung des Laserlichts nachgewiesen werden
konnte. Inzwischen werden alle Messungen auch quantitativ von der
Theorie erklärt. Die TTF stellt die mit Abstand intensivste
Lichtquelle in diesem Wellenlängenbereich dar. Zudem ist die
Pulslänge mit 50 fs deutlich kürzer als ursprünglich erhofft.
- Die TTF wird mit einigen neuen Modulen ausgestattet. Ab 2003 wird
sie mit 1 GeV betrieben und ab 2004 in eine Nutzer-Anlage umgewandelt.
Längerfristig positive Auswirkungen werden vom Umzug des
Laserinstituts der UNI HH auf das DESYgelände und von den
Ergebnissen vom Photoinjektor-Teststand in Zeuthen erwartet.
- ICFA hat ein technisches Review Panel unter Leitung von G. Loew (SLAC)
eingesetzt mit dem Ziel, sich auf eine technische Lösung für den
nächsten LC zu einigen.
- Für den Standort Hamburg ist das Planfeststellungsverfahren
schon sehr weit gediehen.
- Herr Wagner stellt dann die Ideen zum Global Accelerator Network
vor. Der LC soll gebaut werden wie heute Experimente, wobei die
Labors die Rolle der Kollaboranten übernehmen. Die remote control
des Beschleunigers erscheint problemlos möglich, so daß vor Ort
lediglich ein Noteinsatzteam erforderlich ist.
- Die Helmholtz Gesellschaft (HGF) wurde am 12.9.2001 gegründet,
Erster Präsident ist W. Kröll. Die DESY Aktivitäten sind
im Arbeitsbereich 'structure of matter' gebündelt. Eine erste
Begutachtung dieses Bereichs ist jetzt in 2003 vorgesehen.
- In der Diskussion wurden Fragen gestellt zum Verhältnis
DESY/BESSY, zur Rolle von CERN und dessen langfristiger
Zukunftsplanung sowie zur Position anderer europäischer
Länder und Labors zu einer Bewerbung von DESY als Standort
für den Linear-Collider. Herr Wagner erklärt, daß alle
zunächst die Stellungnahme des Wissenschaftsrats, die für
Sommer/Herbst 2002 erwartet wird und die Reaktion des BMBF
abwarten wollen. Er stellt weiter fest, daß ein Bau des LC
ohne signifikanten Beitrag der USA nicht vorstellbar sei.
Inzwischen gibt es erfreulich klare Stellungnahmen aus den USA, daß
ein LC mit einer Anfangsenergie von 500 GeV die höchste Priorität
habe, wo immer er auch gebaut werde.
Sitzungsleitung: J. Drees
- Die Injektoren für LHC können schon jetzt mit der erforderlichen
Strahlqualität betrieben werden, allerdings erst bei halber
Intensität.
- Die Magnetproduktion ist als Technik im Griff, 16 Magnete sind
verfügbar und gemessen mit dieser Technologie. Das Hauptproblem
ist die Verfügbarkeit der supraleitenden Kabel. Die Firmen können
zur Zeit ihren Verpflichtungen nicht nachkommen. Sie haben bisher
erst ein Viertel der vertraglich vereinbarten Lieferleistung erbracht.
Wie groß die Verzögerung der für 2006 geplanten Inbetriebnahme des
LHC aufgrund dieser Lieferschwierigkeiten sein wird, läßt sich noch
nicht abschätzen.
- Das Civil Engineering (Bau der Hallen etc.) ist gut vorangekommen,
bei der CMS Halle gibt es allerdings eine Verzögerung von 3 Monaten.
- Zusammenfassend stellt Herr Hoffmann fest, daß der bisherige Zeitplan
durch die Bauverzögerung und die Lieferprobleme beim Kabel in Frage
gestellt ist. Im März nächsten Jahres soll ein aktualisierter
Zeitplan vorgelegt werden.
- Die Meilensteine beim Bau der vier Detektoren werden i.w. eingehalten.
Bei ATLAS und CMS sind ca. 50% der base lines abgearbeitet und mehr als
50% der Kosten abgeflossen. Probleme macht die Herstellung der
ATLAS-Toroidspulen. Allgemein wird eine Kostenerhöhung um 10 bis 15%
erwartet. Der Bau von ALICE und LHCb ist angelaufen.
- In der Diskussion betont Herr Hoffmann, daß der Zeitplan von LHC durch
die technischen Probleme bestimmt wird und voraussichtlich nicht durch
die Finanzierung, weil Kosten vorfinanziert werden können.
- Die Mehrkosten für die Maschine beliefen sich auf 887 MSF, die
inzwischen durch Umschichtungen auf 740 MSF reduziert wurden.
Falls keine weiteren Einsparungen erbracht werden, müßte die
Finanzierung von LHC bis 2011 gestreckt werden. Das erscheint nicht
akzeptabel.
- Fünf interne Task Forces und ein externes Review Board wurden
eingesetzt, um eine Revision der Kosten durchzuführen und
Einsparungsmöglichkeiten ausfindig zu machen. Vorläufige
Empfehlunegn werden für März, endgültige für Juni 2002 erwartet.
- Für 2002 wurde ein 'Notprogramm' verabschiedet, durch das 33.5 MSF
eingespart werden sollen. Kernpunkte sind die Reduktion der Laufzeit
der Fixed Target Experimente um 30% und der Stop bzw. die Reduktion von
R&D-Arbeiten für Neutrinostrahlen und CLIC. Für die Experimente in
Gran Sasso mit dem Neutrinostrahl wurde ein Moratorium verhängt.
Eine Entscheidung, wie es weitergeht, wird erst im Frühjahr fallen.
- Darüber hinaus sollen CERN-Mitarbeiter, die für verschiedene andere
Beschleunigerprojekte (insbes. CLIC) tätig sind, in das LHC Programm
eingegliedert werden, um Personalkosten für externes Personal
(zur Zeit 160 MSF/Jahr) einzusparen.
- In der Diskussion wird von mehreren Seiten heftige Kritik am Verhalten
des CERN geübt. Herr Hoffmann erklärt, daß ein sofortiger Stopp
der R&D Aktivitäten für CLIC wegen bestehender Vereinbarungen
mit anderen Institutionen nicht möglich ist. Es besteht aber die
klare Absicht, diese Aktivitäten zu Gunsten von LHC vorübergehend
einzustellen.
- Das `Launching Committee' bestehend aus Vertretern der vier LHC
Experimente, der Experimente BaBar, CDF, Compass, D0, sowie Vertretern
von KET, KHK und DESY hat ein Anforderungspapier `Requirements for a
Regional Data and Computing Centre in Germany (RDCCG)' für das
Computing der genannten Experimente in Deutschland in den nächsten
10 Jahren zusammengestellt
(ftp://ftp.gsi.de/pub/RDCCG/LHCComputing.pdf).
- Das Forschungszentrum Karlsruhe (FZK) hat ein entsprechendes Antwortpapier
angefertigt (ftp://ftp.gsi.de/pub/RDCCG/RDCCG-answer.pdf) und seine Arbeit
als GRID Tier1-Zentrum in Deutschland aufgenommen.
- Weitere Einzelheiten können dem Bericht zum Stand des deutschen
Regionalrechenzentrums auf der Web-Seite des KET entnommen werden.
Sitzungsleitung: N. Wermes
- Dargestellt werden Experimente zur Erforschung der Herkunft
der kosmischen Strahlung (Gamma- und Neutrinoastronomie und
Luftschauerdetektoren), Experimente zur Suche nach dunkler
Materie/Energie und Experimente zur direkten Messung von
Neutrinooszillationen und zur Messung absoluter Neutrinomassen.
- Deutschland ist mit Ausnahme von Projekten zum Studium
atmosphärischer Neutrinos und zur Kosmologie generell sehr gut
vertreten.
- Als neu gegründetes Fördergebiet kam die Astroteilchenphysik
bisher in den Genuß flexibler Mittelvergabe ohne fixierte
Antragsperioden. Aufgrund der rasanten Entwicklung der
Astroteilchenphysik stieg das Fördervolumen allerdings von
1999 bis 2001 von 1 auf 7 MDM jährlich. Bis zum Jahr 2003
werden die Neuanträge ein Niveau von 10 MDM erreichen, was
das zur Verfügung stehende Fördervolumen sprengt. Ab jetzt
wird es daher auch hier notwendig werden, Prioritäten zu
definieren und die eingereichten Anträge in kohärenter Form
zu begutachten.
- Es wurde eine Webseite zur Astroteilchenphysik eingerichtet
(http://www.astroteilchenphysik.de).
- Herr Lindner weist auf den Verfügungsfond des DESY-HS hin,
auf den z.B. für Workshops etc. zugegriffen werden kann.
- Herr Lindner stellt die neuen Mitarbeiter beim DESY-HS vor:
- Thomas Berghöfer wird die DESY-Experimente und die
Astroteilchenphysik betreuen
- Klaus Ehret wird die CERN-Experimente betreuen.
J. Drees gibt einen Bericht zur Arbeit des Gutachterausschusses
im letzten Jahr:
- Insgesamt wurden 69 Projekte zur Bewilligung empfohlen. Mehrere
Ergänzungsanträge wurden im Umlauf bearbeitet.
- Eine Aufschlüsselung der Fördermittel im Zeitraum 1997-2003
zeigt:
- Die LEP-Förderung geht kontinuierlich stark zurück.
- Die LHC-Förderung steigt stark an.
- Die HERA-Förderung nimmt stetig ab, wenn auch nicht so stark
wie bei LEP.
- OPERA, D0, CDF sind in den Jahren 2002/03 neu hinzugekommen und
haben erheblichen Anteil an der Gesamtförderung.
- Die Förderung der Theorie ist etwa konstant.
- Die Amtszeit des jetzigen GA ist um 12 Monate verlängert worden.
Auf der nächsten Sitzung am 9.4.2002 werden unter anderem
die neue Zusammensetzung des GA, der Zeitrahmen für die nächste
Förderperiode und die Mehrkosten für die LHC-Experimente beraten.
Alle LHC-Gruppen sind aufgefordert, bis Ende Februar detaillierte
Kostenpläne einzureichen.
- Herr Drees begrüßt T. Berghöfer und K. Ehret als neue Mitarbeiter
bei DESY-HS. Er bedankt sich im Namen des GA und der ganzen Gemeinschaft
bei den ausscheidenden Mitarbeitern H.-E. Ryseck und A. Lindner
für die harmonische und fruchtbare Zusammenarbeit.
| a) | D. Wegener berichtet über die Organisation der DPG-Haupttagung
am 18.3.-22.3.02 in Leipzig. Die Sektion Teilchenphysik ist mit
zwei Plenarvorträgen zu den Themen "Neutrinos" und "TESLA"
vertreten. Auch die Hauptvorträge für die Teilchenphysik sind
festgelegt. Herr Wegener erinnert an den Spendenaufruf zur
Unterstützung des Erhalts des Magnus-Hauses in Berlin für die DPG. |
| b) | K. Meier berichtet über die Arbeit vom ECFA/RECFA. Das ECFA-
Programm ist auf der Internetseite ausführlich dargestellt
(http://press.web.cern.ch/Committees/ECFA/).
Aktuell müssen 4 deutsche ECFA-Vertreter neu gewählt werden.
Die Rolle der Plenary-ECFA-Vertreter wird als unklar empfunden
und ist zu diskutieren. Herr Meier bittet hierzu von Seiten der
Gemeinschaft um Zuarbeit. |
| c) | J. Mnich berichtet von der Arbeit im ACCU. Es finden 4 Sitzungen
pro Jahr statt mit erfreulich hoher Beteiligung des CERN-
Managements. Die Akzeptanz der ACCU-Arbeit bei den CERN-Nutzern
ist allerdings gering. Aktuell bearbeitete Probleme sind
- die Knappheit von Büroplätzen (eine Task Force wurde eingesetzt,
Bericht im Frühjahr),
- die Überlastung des CERN-Hotels und
- die Schließung des Self-Service-Stores (Ersatz durch Emergency
Desk in Gebäude 73).
Positiv zu vermerken ist die Entwicklung des EDH (electronic
data handling system) und des VRVS (System für Videokonferenzen
über das Internet).
Aus der Gemeinschaft wird Kritik an der Zuweisung eines großen
Büroraumkomplexes an das AMS-Experiment, an dem CERN nicht
beteiligt ist, geäußert.
|
| d) | K. Kleinknecht berichtet über aktuelle Entwicklungen bei der
Vergabe von CERN-Fellowships. Während die Zahl der Bewerber
im Bereich der Theorie mit 15 ungefähr konstant blieb, nahm
die Zahl der Bewerbungen aus dem experimentellen Sektor
drastisch ab und erreichte zuletzt einen Stand von 3. Über
die Antragszahlen im Bereich der Applied Fellows liegen
keine Zahlen vor, aber auch hier ist Deutschland traditionell
unterrepräsentiert. |
- Die vom ECFA angestoßene Particle Physics Outreach Group erstellt
und pflegt ein Netzwerk für den Austausch von Informationsmaterial
über das Internet.
- Die deutschen WEB-Seiten sind in der fast offiziellen Version
zur Kontrolle freigegeben. Es wird mehr Bereitschaft für
Schulvorträge benötigt. Eine umfangreiche Sammlung bereits
gehaltener Vorträge existiert. Spin-Offs der Teilchenphysik
sollten ebenfalls im Internet dargestellt werden. Zuarbeit wird
erbeten.
- Herr Kobel weist auf andere neue Web-Seiten (Kwork-Quark-Forum
vom DESY, Education Project vom CERN) und auf das CERN-Programm
für 3-wöchige bzw. 3-tägige Lehrerfortbildungen hin. Die
Gemeinschaft ist aufgefordert, Lehrer zur Bewerbung zu ermuntern.
- Herr Kobel stellt das neue europäische INTERACT-Projekt zur
Förderung des direkten Dialogs der Wissenschaft mit der
Öffentlichkeit vor. Das Projekt wird vorangetrieben, obwohl ein
EU-Förderantrag erfolglos war. Es ist u.a. geplant, Unterlagen
zu Veranstaltungen für die Öffentlichkeit an den Universitäten
zu sammeln und allgemein zugänglich zu machen. Die Gemeinschaft
ist zur Zuarbeit aufgefordert. Die Laufzeit des Projekts beträgt
3 Jahre.
- Mehr Informationen gibt es unter der URL-Adresse
http://www.physik.uni-bonn.de/outreach.
| a) | Der Vorschlag von M. Erdmann, eine Arbeitsgruppe zur Erarbeitung einer
Stellungnahme der Teilchenphysiker zum neuen Hochschulrahmengesetz
einzusetzen, findet keine Unterstützung.
|
| b) | R. Rückl gibt die Termine der nächsten Jahrestreffen der deutschen
Elementarteilchenphysik im Physikzentrum Bad Honnef bekannt:
22. - 23.11.2002
21. - 22.11.2003
|
Ende der Versammlung: ca. 16:00 Uhr
Nachtrag außerhalb des Protokolls:
Auf den mehrheitlichen Wunsch der Teilnehmer an der Jahresversammlung
hin hat das KET in Absprache mit dem Redaktionsteam der Denkschrift
über die Teilchenphysik in Deutschland das geplante HEP-Symposium
auf den Vortag der Jahresversammlung 2002 gelegt. Das Programm sieht
nun wie folgt aus:
| Freitag, 22.11.2002, | ganztägiges
HEP-Symposium im Wissenschaftszentrum Bonn-Bad Godesberg |
- Darstellung des HEP-Programms in Deutschland für die nächsten
zehn bis fünfzehn Jahre und Präsentation der HEP-Denkschrift
- offene Veranstaltung insbesondere für junge Nachwuchswissenschaftler
der HEP und Repräsentanten von Ministerien [BMBF etc],
Wissenschaftsinstitutionen [DFG etc.] und Universitäten
nach Abschluß des Symposiums (Bus)-Transfer zum Physikzentrum in
Bad Honnef
- Beginn der Jahresversammlung 2002 wie gewohnt mit einer
Abendveranstaltung
| Samstag, 23.11.2002, | Jahresversammlung 2002
im Physikzentrum Bad Honnef |
Last modified: Wed Jan 29 09:24:43 MET 2003