| Anwesend: | Behnke, Bethke, Herten, Heuer, Köpke, Lohse, Mättig, Müller, Meier, Rückl (Vorsitz), Spaan, Voss, Wegener (bis 18:00 Uhr) |
| Gäste: | Richter (BMBF), Bojahr (DESY-HS), Ehret (DESY-HS) |
Protokoll: Lohse, Müller
Beginn der Sitzung: 16:00 Uhr
Ende der Sitzung: ca. 18:30 Uhr
| 1. | Entwicklungen am CERN |
| 2. | Zukunft der Verbundforschung |
| 3. | GRID-Computing in der deutschen HEP - HEP-Initiative - Rolle der HEP in D-Grid - Einbettung in internationale Grid.-Projekte |
| 4. | Verschiedenes - aus der DPG-Mitgliederversammlung - CERN50 - Zusammensetzung des KET |
Der Vorsitzende begrüßt die Mitglieder des KET sowie die Vertreter/in des BMBF und des Projektträgers und eröffnet die Sitzung. Nach einer kurzen Erläuterung wird die vorläufige Tagesordnung ohne Änderungen angenommen.
Der CERN Council hat seine Geschäftsordnung seit Anfang 2004 geändert, um häufige Duplikationen von Vorträgen und Diskussionen innerhalb der Council Woche zu minimieren. Gleichzeitig will der Council eine stärkere Rolle in der Koordination der europäischen Teilchenphysik spielen. Der Anlaß dazu kam von der Linear Collider Community (insbesondere von I. Halliday, England). Es wurde eine bessere Koordination der europäischen Funding Agencies gefordert, um mit den amerikanischen und asiatischen Forschungsministerien konkretere Planungen für einen Linear Collider machen zu können. Dieser Vorschlag wurde von den europäischen Funding Agencies aufgegriffen und es wurde vereinbart, daß diese Gespräche im Rahmen des CERN Councils geführt werden sollen, da dort alle europäischen Staaten, die sich in der Teilchenphysik engagieren, vertreten sind. Das erste spezielle Council-Treffen zum Linear Collider soll am 19. Juli 2004 in Rom stattfinden. Albrecht Wagner ist dazu als Vertreter der europäischen Linear Collider Community eingeladen worden. Der neue CERN DG (CEO) R. Aymar hat diese erweiterte Rolle des CERN Council in einem Beitrag für den CERN Courier 2/2004, März 2004 (http://www.cerncourier.com/main/article/44/2/23) erläutert und darauf hingewiesen, daß bereits im Artikel II des CERN-Vertrages abzulesen sei, daß CERN eine europäische Koordinierungsrolle in der Teilchenphysik übernehmen soll.
Innerhalb des KET wird kontrovers über diese neueren Entwicklungen im CERN diskutiert. Einerseits wird begrüßt, daß das weitere Vorgehen bei der Planung zu einem Linear Collider in Europa zwischen den Funding Agencies besser abgestimmt werden soll. Andererseits wird zu bedenken gegeben, daß die Koordinierungsrolle des CERN Council nicht dazu führen dürfe, daß die Vielfalt der Aktivitäten der Teilchenphysik in Europa beschnitten werde. Die existierenden nationalen Teilchenphysiklabors und Teilchenbeschleuniger in Europa bedienen eine internationale Wissenschaftlergemeinschaft innerhalb und außerhalb der CERN-Mitgliedstaaten. Es gebe europäische Teilchenphysiker, die außerhalb Europas forschen. Eine Koordinierung der Teilchenphysik innerhalb Europas einzig durch den CERN erscheine weder angemessen noch praktikabel. Zumindest wünscht das KET eine starke wissenschaftliche Beteiligung des ECFA.
Weiter wurde darauf hingewiesen, daß das CERN Council, wenn es eine europaweite Rolle übernehmen soll, angemessen besetzt und organisiert sein muß, um einen potentiellen Interessenkonflikt in seiner Koordinierungsrolle einerseits dem CERN Labor gegenüber, andererseits der europäischen Hochenergiephysik gegenüber zu vermeiden.
G. Herten und R. Rückl werden beauftragt, die Bedenken und Wünsche insbesondere hinsichtlich einer Beteiligung von ECFA Herrn Schunck mündlich mitzuteilen.
TOP 2: Zukunft der Verbundforschung
Herr Richter bedankt sich für das von den Komitees der Grundlagenforschung (KET, KAT, KHuK, KEKM, RDS) gemeinsam verfaßte Memorandum an die Ministerin, Frau Bulmahn, durch das er die Anerkennung der Verbundforschung als gleichberechtigtes Förderinstrument gefestigt sieht. Er berichtet, daß der Gesamtförderhaushalt (HEP, Hadronen und Kerne, kondensierte Materie, Astroteilchenphysik, Astrophysik) von 47,7 MEuro im Jahr 2002 auf 43,2 MEuro im Jahr 2003 gesunken ist. Für die HEP ist in den nächsten Jahren ein Fördervolumen von 12,5 MEuro pro Jahr geplant. Herr Richter betont allerdings, daß Kürzungen in Zukunft erwirtschaftet werden müssen und nicht wie bisher durch unverbrauchte Mittel von Großprojekten, größtenteils von außerhalb des HEP-Bereichs, aufgefangen werden können. Minderausgaben werden daher in die Planzahlen einzurechnen sein.
TOP 3: GRID-Computing in der deutschen HEP
Herr Mättig berichtet über eine kürzlich angestoßene Initiative, die deutschen Institute für Hochenergiephysik durch eine Teilvernetzung stärker in die GRID-Entwicklung einzubinden, die Aktivitäten personell zu verbreitern, und so international sichtbar zu dessen Entwicklung beizutragen. Die Resonanz ist erfreulich groß, auf dem ersten Treffen in Wuppertal waren fast alle Institute vertreten. Kurzfristig ist geplant, daß beteiligte Institute eine kleine Zahl von Rechnern für das Netzwerk zur Verfügung stellen und die für LHC entwickelte LCG2-Software installieren und betreuen. Mittelfristig sollen Institute mit großen Clustern ihre Ressourcen verbinden. Diese Infrastruktur kann eine gute Grundlage für die Beteiligung der Hochenergiephysik in der D-GRID Initiative bilden.
Herr Kasemann berichtet über die neuesten Entwicklungen bei der Realisierung einer fachübergreifenden GRID-Infrastruktur in Deutschland (D-GRID). Die D-Grid-Initiative wurde vor einem halben Jahr gestartet und wird inzwischen von einem mit Mitgliedern mehrerer großer Institute besetzten Lenkungsausschuß koordiniert. Im Dezember 2003 wurde ein Strategiepapier vorgelegt, in dem die Ziele des D-GRID und die notwendigen Voraussetzungen dargestellt sind. Die Arbeit im D-GRID dient der Vorbereitung der im März von Frau Bulmahn ankündigten deutschen "e-science"-Initiative. Die augenblickliche Information ist, daß in diesem Rahmen 300 MEuro über die nächsten 5 Jahre an (zu gleichen Teilen vom BMBF, Forschungszentren und Industrie) in F&E gehen sollen. Erster Schritt ist der Aufbau einer GRID-Umgebung für verschiedene Wissenschaftszweige. Eine BMBF-Ausschreibung wird für Juni 2004 erwartet mit einer Antragsfrist bis ca. September 2004.
Im Rahmen von D-GRID haben sich 5 Arbeitskreise gebildet, mit dem Ziel, bis Ende April konkrete Projektvorschläge an das BMBF auszuarbeiten, die auch zu einem internationalen GRID-Konzept passen. Die Bereiche Teilchenphysik und Astroteilchenphysik werden im D-GRID durch Herrn Mättig und Herrn Köpke vertreten.
In der anschließenden Diskussion wird die Prioritätensetzung im Computing Bereich und die Rolle der Universitäten besprochen. Herr Richter weist auf die Wichtigkeit der Beteiligung an der Software-Entwicklung innerhalb der LHC-Experimente hin.
Die Antragstermine zur "e-science"-Initiative sind unter http://www.d-grid.de zu finden. Anträge müssen bis zum 22.10.04 eingereicht werden. Es gab im Vorfeld bereits ein Koordinationstreffen für die Teilchen- und Astroteilchenphysik in Berlin, ein weiteres findet am 5.10. in München statt.
TOP 4: Verschiedenes
Es werden verschiedene Änderungsvorschläge für die DPG-Mitgliederversammlung gemacht:
Die Aktivitäten anläßlich des 50jährigen Jubiläums des CERN waren Gegenstand intensiver Diskussionen bei der DPG-Mitgliederversammlung. Es wird daher derzeit kein weiterer Handlungsbedarf gesehen.
Die Diskussion zur Aufnahme eines Vertreters der Young-Particle-Physicist- Initiative (YPP) in das KET wird vertagt, bis die YPP ihre interne Organistion etabliert hat.